Das Lächeln des Kindes in der Krippe

Shownotes

Die Engel an Weihnachten seien für ihn wie “Türöffner, wie Hinweisschilder und Wegbegleiter”, sagt Weihbischof Robert Brahm in der Weihnachtsfolge von "himmelwärts und erdverbunden". Der gemeinsame Weg führe zur Geburtsgrotte in Betlehem. “Und dort wartet etwas auf mich – das Lächeln eines Kindes.”

Hinweis: Die Folge wurde mit einigen Tagen Vorlauf produziert; deshalb kann Weihbischof Brahm nicht auf den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg eingehen. Aber es ist deutlich, dass sich dieses schlimme Ereignis einreiht in die "vielen Fragen, die wir uns als Menschheit stellen müssen", von denen Weihbischof Brahm am Anfang der Folge spricht.


Link zur Folge:

Robert Brahm, Weihbischof in Trier.

Das Interview mit dem Religionspsychologen Sebastian Murken in "Psychologie heute", das Weihbischof Robert Brahm zitiert (Bezahlschranke).


Das Archiv mit allen Folgen von "himmelwärts und erdverbunden" gibt's hier.


Feedback gerne auch unter podcast@bistum-trier.de.

Transkript anzeigen

Weibliche Stimme: Himmelwärts und erdverbunden, der Podcast aus dem Bistum Trier.

Robert Brahm: Ich bin Robert Brahm, Weihbischof in Trier. Wo wir auch hinschauen – alles ist in Bewegung, alles ist so kompliziert geworden. Dies betrifft auch Weihnachten. Können unsere Gedanken zum Weihnachtsfest zur Ruhe kommen? An sich ist das bunte Treiben der Welt nichts Schlimmes, nichts Ungewöhnliches. Aber bei sich selbst ankommen inmitten einer aufwühlenden Zeit ist schwerer geworden. Vielleicht erleben Sie das auch so – in Ihrer Familie, am Arbeitsplatz oder angesichts der vielen Fragen, die wir uns als Menschheit stellen müssen. Weihnachten ist so nüchtern geworden. Lediglich hier und da flammt etwas davon auf den Weihnachtsmärkten oder in dem ein oder anderen Gottesdienst auf. Stehen wir wirklich mitten in einer Zeitenwende? Es hat sich noch nichts gewendet, womit wir 2024 begonnen haben: Es ist immer noch kein Friede auf Erden… kein Friede in der Ukraine… Kämpfe im Nahen Osten. Die Situation in Syrien ist noch offen. Energie- und Klimapolitik halten uns in Atem. Dabei wird die Luft zum Atmen immer schlechter. Und auch der Blick nach innen, in das Innenleben der Kirche ist fast nur mit einer tiefschwarzen Sonnenbrille zu ertragen, so grell ist das Scheinwerferlicht, das immer noch auf uns gerichtet ist und immer greller zu werden scheint. Der Synodale Weg der deutschen Diözesen wird nicht von allen verstanden, auch nicht wirklich von Rom. Bringt die Weltsynode einen neuen Schub … und die Missbrauchsaufarbeitung löst immer wieder neues Entsetzen aus. „Komm, du Heiland, aller Welt!“ – bin ich da geneigt als laute Bitte zu rufen. Andere haben das Bitten schon aufgegeben. Als 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft trat, - vor 75 Jahren - waren noch 96% der Deutschen Mitglied einer der großen Kirchen. Das Grundgesetz existiert immer noch, aber Untersuchungen zeigen, dass die Religion kein gemeinsamer Nenner mehr für die Menschen ist. Psychologen, wie der Marburger Religionspsychologe Sebastian Murken, bescheinigen uns, dass wir eine „Subkultur“ geworden sind. Die Rechnung sei einfach, meint er in einem Beitrag in „Psychologie heute“; er sagt: „Je individueller die Ansprüche der Menschen werden und je säkularisierter sie ihr Leben gestalten – umso größer die Entfremdung von Kirche und Glaubensinhalten“. Doch was ist mit dem Leer-Raum, dem Vakuum, das daraus entstanden ist? Wird es wirklich nur mit Kommerz gefüllt, mit blankem Materialismus? Wo einst Gehorsam, Pflichtgefühl und die Anpassung an Traditionen das religiöse Leben prägten, sind es jetzt Autonomie, Wahlfreiheit und Selbstverwirklichung. So analysiert es Sebastian Murken - Zitat: „Ich muss an Goethe denken. An seinen Dr. FAUST. Im Monolog fällt der berühmte Satz: „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Ja, was hält die Welt im Innersten zusammen? Für Christen ist es dieser Gott, der sein schönstes Wort in die Welt gesandt hat, das Wort, das menschliche Gestalt angenommen hat, das Wort, das zu uns spricht, uns ansieht, uns Liebe verheißt. Es ist dieses Kind in der Krippe, das noch nicht dem Machtkalkül verfallen ist, sondern unbeschwert, unbelastet seinen Weg gehen kann. Aber wir kennen die Geschichte Jesu – auch er musste innerhalb weniger Jahrzehnte die Erfahrung machen, dass die Weltenuhr immer etwas anders tickt als Gottes Zeitplan mit uns. Was verbindet uns miteinander? „Da kommen Engel wie gerufen!“ – meint der Religionspsychologe Murken, denn mehr denn je boomt das Geschäft mit den Engeln. Er bringt eine Umfrage ins Spiel, in der 66 Prozent der Befragten in Deutschland Engeln den Vorrang sogar gegenüber Gott geben. Die Engelwelt boomt. Es ist die Sehnsucht nach Transzendenz, nach etwas Sinnerfüllendem. Engel fordern nicht und jeder hat im Universum seinen eigenen Engel. So spekuliert Murken weiter: „Ein Gott für viele, den man sich mit anderen teilen soll – das kommt scheinbar nicht mehr gut an. Dann lieber einen Engel.“ Wie sehen Sie das? Da ist ein Engel namens Gabriel, der Maria verkündet, dass sie schwanger wird. Ein Gabriel, der Josef auffordert, Frau und Kind anzunehmen. Der ihm befiehlt, nach Ägypten zu fliehen und ihm grünes Licht gibt, als er wieder heimkehren kann. Da sind die Engel auf dem Feld, die Gott preisen in der Nacht der Geburt Jesu. Für mich bleibt das Kind in der Krippe die Eingangspforte zu Gottes Haus! Die Engel sind für mich wie Türöffner, wie Hinweisschilder und Wegbegleiter. Aber unser gemeinsamer Weg führt zur Geburtsgrotte in Betlehem. Und dort wartet etwas auf mich, das Lächeln eines Kindes. Für dieses Lächeln krempeln junge Eltern ihr ganzes Leben um, investieren und lassen sich auch nachts mehrfach wecken. Durch dieses Lächeln können auch wir uns anstecken lassen. Es ist ein so liebevolles, freundliches, charmantes Lächeln, das wir den Menschen um uns anbieten können, egal wie gut oder wie schlecht sie auf Kirche zu sprechen sind. Nehmen Sie dieses Lächeln mit und geben Sie es bitte weiter! Und wenn Sie möchten – dann auch gerne mit einem Gruß von mir. Und sagen Sie denen, denen Sie begegnen: Frohe Weihnachten! und wenn Sie möchten, fügen Sie hinzu: Es ist schön, dass es dich gibt! Sei behütet!   

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