Advent - da kommt was/wer auf uns zu
Shownotes
Wenn Christenmenschen Advent feiern, wissen sie, es kommt was auf uns zu - sagt Altfried Rempe in dieser Episode von „himmelwärts und erdverbunden“. Oder - es kommt wer auf uns zu: Gott selbst. In jedem Menschen, der uns begegnet, so verschieden sie alle sind und bleiben: liebevoll oder abgeneigt, stark oder schwach, kooperativ oder garstig …
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00:00:04: Weibliche Stimme: Himmelwärts und erdverbunden – der Podcast aus dem Bistum Trier.
00:00:10: Altfried Rempe: Ich bin Altfried Rempe, Pastoralreferent und freier Mitarbeiter bei himmelwärts und erdverbunden. Für unsere Familie und vor allem die Familie meiner Fraufängt der Advent dieses Jahres traurig an:Am ersten Advents-Montag werden wir meine Schwiegermutter zu Grabe tragen;sie ist vor wenigen Tagen gestorben; sie war 96 Jahre alt und eigentlich schon langeihres Lebens müde und voller Sehnsucht, im Himmel wieder mit ihren Lieben zusammen zusammen zu sein: mit ihrem Ehemann, der schon vor gut fünfzig Jahren verunglückt war.Und auch ihren viel zu früh gestorbenen Enkel Johannes wollte sie treffen. Ein sehr erfülltes Leben ist da zu Ende gegangen – und eines mit vielen Herausforderungen.Sieben Kinder hatte sie allein zu erziehen und zu begleiten;musste die Firma weiterführen und dann verkaufen;dann hat sie eine Umschulung zur Altenpflegerin gemacht, um die Familie zu ernähren. Und nebenbei hat sie immer schon und dann als Rentnerin dann noch viel mehrin der Nachbarschaft alte oder kranke Menschen betreut und versorgt, hat viele Nachtwachen übernommen.Eigentlich war Annemarie immer für andere Menschen da. Nun ist sie gegangen – weil sie es irgendwie wollte.Und ich finde es auch für uns einen richtigen Zeitpunkt.Passend gerade auch so kurz vor dem Advent oder in den Advent hinein.Weil sie, glaube ich, ganz gut vorbereitet war;sie hat ihr ganzes Leben im Grunde adventlich gelebt – ein oft sehr schweres Leben.Ich bin ziemlich sicher, dass sie genau so überrascht ist oder war,als sie vor dem liebevollen Richter ihres Lebens stand.Der wird gesagt haben: Ich war hungrig und durstig, ich war krank und schwach – und du bist für mich dagewesen.Und wenn sie dann sagt: Wo habe ich dich denn hungrig durstig krank schwach angetroffenund was hätte ich für dich getan – weil eben das war doch mein Alltag, mein Beruf… Dann wird es ihr ergehen oder schon ergangen sein wie denen, die der biblische Richter-König an seiner rechten Seite versammelt hat:Was du für eine oder einen meiner geringsten Schwestern und Brüder getan hast,hast du für mich getan – komm, auf, in Gottes Herrlichkeit.Die ist für dich bestimmt. Passend, sage ich, gerade zum Advent – weil wenn Christenmenschen vierundzwanzig Tage bis Weihnachten „Advent“ feiern,wissen sie, wissen wir ja: Es kommt was auf uns zu. Weihnachten kommt – aber eigentlich noch viel mehr.Weil diese gut drei oder knapp vier Wochen sind mehr als Warten auf das Christkind.Advent – das ist eigentlich Erinnerung an die Zukunft;Erinnerung an eine Zukunft, die kommen wird – und die schon da ist.Erinnerung an Jesus von Nazaret, der kühn behauptet hat:Was der Prophet gesagt hat, hat sich heute erfüllt. Blinde sehen, Lahme gehen, Gefangene werden befreit und Gottes Gnadenjahr ist ausgerufen – das erlebt ihr gerade an mir.Und alle stimmen ihm damals zu. Ja: angefangen hat Gottes Reich und Gottes Zukunft mit den Menschen, als Jesus unterwegs war; viele hat er begeistert und ihnen die Augen geöffnetfür die Armut und die Not um sie herum – und in ihnen selbst.Und er hat Hoffnung gesät und gepflanzt, dass da Rettung kommt und jedenfalls mehr als alles, was sie gerade erleben.Aber es hat eben nur angefangen;es braucht offensichtlich noch ein wenig – vorerst kommt es auch auf uns noch zu.Braucht offenbar mehr als die zweitausend Jahre bisher, bis es wirklich ganz ankommt, bei jedem und jeder Einzelnen,bei jeder der vielen Kirchen in der einen Kirche – und in der ganzen großen Menschheit. Daran erinnert der Advent immer – und auch dieses Jahr wieder. Advent – Jesus Christus, Gott selbst kommt auf uns zu.Und zwar jetzt, fast jeden Moment, beinah jeden Tag:In jedem Menschen, der oder dem du begegnest,steht Gott vor dir – so verschieden sie alle sind und bleiben,so liebevoll oder abgeneigt, so stark oder schwach, kooperativ oder garstig,so hässlich oder schön sie sein mögen.Egal, ob sie oder er dir was Gutes tut, mit dir freundlich redet, ihr euch gemeinsam engagiert für Frieden und Gerechtigkeit in der Weltund nebenan – oder ob sie dich herausfordern, jetzt mal für sie oder für ihn da zu sein,dich uneigennützig freiwillig oder auch beruflich zu verausgaben, weil sie Hilfe brauchen: in ihnen allen kannst du Jesus begegnen und ihm etwas geben oder tunoder dich von ihm beschenken lassen.Sehr sehr oft ganz ohne das zu bemerken. Wahrscheinlich ist es das, was in Wirklichkeit auf uns zukommtund weswegen Advent ist:dass irgendwann einmal erkennbar wird, ganz direkt spürbar wird,Gott ist schon immer in der Welt.Weihnachten als winziger Mensch sichtbar, als Säugling, der an der Mutterbrust hängtund dem die Eltern die Windeln wechseln müssen. Aber seitdem eben auch in den Schwachen und Starken aller Zeiten,in allen Menschen, die Freude kennen und Hoffnung,trauern oder ängstlich sind;in sehr heiligen Menschen, den eher normalen und sogar in den ganz brutal bösen. Adventlich leben – das heißt für mich: genau damit rechnen,genau das erwarten: und mich hoffentlich so zu verhalten, dass Gottes Liebe zu den Menschen mich jederzeit treffen kann – als kleines oder großes Geschenk, in einem Lächeln oder einer Rettungstat,die mir zugute kommen mag;und dass sie mich jederzeit auch einladen und herausfordern kann,dass ich mich einsetzen soll auch da, wo es gerade weniger passt – einfach weil ich ja selbst beschenkt bin. Die Schwiegermutter hat diesen Advent jetzt hinter sichund ist in der Zukunft angekommen.Zu gern wüsste ich, welche Freude und welche Liebe sie erlebt – und welche Herausforderung auch da wieder auf sie zukommt.
00:06:44: Weibliche Stimme: Himmelwärts und erdverbunden – überall, wo's Podcasts gibt.
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